PRIMÄRE
KOPFSCHMERZEN14.
Kopfsch
merzen
14.1 primäre (id iopathische) Ko
pfschmerzen
14.2 sekun
däre (symp tomatische) Kopfsch
merzen
Die Begriffe "id iopathische" oder "primäre Kopfschmerzen" beschreiben eine eigenständige Erkrankung, d.h. diese Kopfsch merzen stellen kein Symptom (= Krankheitszeichen) einer anderen Erkrankung dar, so z. Kopfsch merzen bei einem zu hohen Blutdruck, oder bei entzündeten Hirnhäuten, um zwei Beispiele zu nennen. Diese Kopfsch merzen werden dann als se kundäre oder sym ptomatische bezeichnet.
Die internationale Kopfschmerzgesellschaft definiert 176 verschiedene Formen, jedoch können 90% aller Kopfsch merzen zwei primäre n Kopfschmerztypen zugeordnet werden, der Migräne und dem Spannungskop fschmerz.
Systematik (= Einteilung) der primäre n Kopfschmerzen:
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1. Migräne |
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- ohne Aura |
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- mit Aura |
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- andere Migränekopfschmerzen |
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4. Andere idiopathische Kopfschmerzen |
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- Neu aufgetretener Dauerkopfschmerz (engl.: new daily persistent headache) |
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Schmerztherapeutisch weniger relevante Formen: |
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- Pri märer stechender Ko pfschmerz |
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- Hustenko pfschmerz |
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- Ko pfschmerz bei körperlicher Anstrengung |
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- Ko pfschmerz bei sexueller Aktivität |
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- schlafgebundener Ko pfschmerz |
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- pri märer Donnerschlagko pfschmerz |
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5. Idiopathische Kombinationskopfschmerzen |
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| - Mig räne und Span nungskopfschmerzen |
Zu den einzelnen Kopfschmerzerkrankungen
1.
Migräne:
Was die Presse über unsere
Migränebehandlung
berichtet:
www.1-migraene.de/artikel1
Bei der
Migräne
treten in typischer Weise anfallsartige, bevorzugt halbseitige Kopfsch
merzen (Hemikranie)
auf, begleitet von Übelkeit bis hin zu Erbrechen, Lärm- und
Lichtempfindlichkeit. Darüber hinaus kann es zu Seh- und
Nervenstörungen
kommen. Fast regelmäßig wird die Schmerzqualität als pulsierend, pochend und
hämmernd angegeben. Ätiologie
(= Krankheitsursache) und Pathogenese
(= Krankheitsentwicklung)
sind letztlich noch nicht sicher geklärt. Nach der IHS-Klassifikation von 1988
gibt es hauptsächlich zwei Gruppen:
M
igräne mit und ohne
Aura. Die
frühere Einteilung in einfache, klassische und komplizierte M
igräne wurde
aufgegeben.
Die einzelnen M igräne -Typen (IHS-codierte Klassifikation )(Göbel 1994):
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M igräne ohne Aura |
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M igräne mit Aura |
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M igräne mit typischer Aura |
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M igräne mit prolongierter Aura |
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Familiäre hemiplegische M igräne |
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M igräneaura ohne Kopfsch merzen |
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M igräne mit akutem Aurabeginn |
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Ophthalmoplegische M igräne |
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Retinale M igräne |
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Periodische Syndrome in der Kindheit als möglicher |
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Vorläufer oder Begleiterscheinungen einer Mig räne |
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Gutartiger paroxysmaler Schwindel in der Kindheit |
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Alternierende Hem iplegie in der Kindheit |
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M igräne -Komplikationen: |
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Status migraenosus |
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Migränöser Infar kt |
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Migräneartige Störungen, die die genannten Kriterien nicht erfüllen |
Die genaue Klassifikation der M igräne-Kopfschmerzarten ist manchmal nicht ganz einfach, weshalb nachstehend einige Erläuterungen folgen:
Als typische Anfangssymptome einer M
igräne (Aura) gelten Sehstörungen,
(halbseitige) sensible und motorische
(= Bewegungs-) Störungen sowie
Dysphasie (=
Sprachausdrucksstörungen). Die
Krankheitszeichen entwickeln sich i.d.R. über einen Zeitraum von fünf bis 30
Minuten und klingen innerhalb einer Stunde wieder völlig ab.
Eine M
igräne mit prolongierter
(= verlängerter) Aura liegt dann
vor, wenn zumindest ein typisches Symptom länger als 60 Minuten und weniger als
eine Woche anhält.
Bei der familiären hemiplegischen
(= mit einer
Halbseitenlähmung
einhergehenden) M
igräne besteht bei mindestens einem
Verwandten (1. Grad) das gleiche Krankheitszeichen.
Bei der Basila
ris-M
igräne gehen die Kopfsch
merzen mit Krankheitszeichen des Gehirns
einher (z.B. Schwerhörigkeit, Doppelsehen, sensible oder motorische Störungen,
Schwindel).
Nach Göbel (1994) ist es umstritten, ob die
Kopfsch
merzen
bei der ophthalmoplegische M
igräne (Schmerzattacken),
die mit einer Lähmung der Augenmuskeln einhergehen) überhaupt der M
igräne zugeordnet werden können.
Gleiches gilt für die periodischen Syndrome in der Kindheit (anfallsartiger
Schwindel und abwechselnde
Halbseitenlähmung,
in Verbindung mit Störungen der Hautempfindlichkeit oder Beweglichkeit sowie
vegetativen Krankheitszeichen, möglicherweise sind diese Erscheinungen
epileptiformer (=
fallsuchtartiger) Natur).
Bei der "kindlichen M
igräne" können auch
Bauchschmerzen mit
Übelkeit bis hin zu Erbrechen auftreten, gelegentlich auch ein
Temperaturanstieg, ohne daß Kopfsch merzen vorliegen.
Bei der retinalen M
igräne sind die
Kopfsch
merzen
von einem einseitigen Gesichtsfeldausfall oder gar Erblindung begleitet, was bis
zu einer Stunde anhalten kann.
Als M
igräne -Komplikation ist der Status migraenosus
zu nennen, gekennzeichnet durch eine Dauer der Kopfsch
merzen von mehr als 72 Stunden Dauer, trotz
Schmerztherapie.
Eine weitere Komplikation ist der migränöse Infar
kt. Dieser liegt vor, wenn ein ischäm
ischer (=
durch Blutmangel bedingter)
Hirninfarkt nachweisbar ist, oder die Aurasymptomatik
(= anfängliche Krankheitszeichen bei
M
igränkopfschmerzen)
nicht innerhalb von 7 Tagen völlig abklingt.
Thera pie dieser primäre n Kopfsch merzen: Zunächst muß der Patient eingehend über die Migräneerkrankung aufgeklärt und über die Behandlungsmöglichkeiten informiert werden. Auf anamnestisch (= aus der Vorgeschichte) eruierte auslösende Faktoren (z.B. Schokolade, Käse, Rotwein) sollte besonders eingegangen werden. Hinweise auf eine vernünftige Lebensweise sind hilfreich, so z.B. regelmäßige Ruhezeiten, maßvolle körperliche Aktivitäten, möglichst Verzicht auf Alkohol und Nikotin und Vermeidung von Streß situationen.
Thera
pie des akuten M
igräne -Anfalls:
Ganz wichtig ist der Hinweis, daß
Analgetika (=
Schmerzmittel)
möglichst frühzeitig einzunehmen sind, d.h., der Patient darf nicht abwarten,
bis das Vollbild der M
igränkopfschmerzen eingetreten ist, sondern die
Medikamenteneinnahme soll schon bei den ersten Anzeichen erfolgen. Als Mittel
der ersten Wahl gilt noch immer die Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS)(z.B.
Aspirin®) 1-1,5 g. Bei ungenügender Wirkung von ASS empfiehlt sich ein Versuch
mit Paracetamol (z.B. ben-u-ron®), 1-1,5 g (in Form von Tbl., Saft oder
Zäpfchen). Nichtsteroidale Antirheumatika (z.B. Naproxen, Diclofenac, Ibuprofen)
sind gegen Mig
ränkopfschmerzen ebenso wirksam wie ASS
bei vergleichbarer oder geringerer Nebenwirkungsrate. Besonders magenschonend
sind die sog. COX-2 Inhibitoren, z.B. Parecoxib (Dynastat®) oder
Etoricoxib (Arcoxia®), allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem
Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer.
Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib und Etoricoxib nicht auch noch vom Markt
genommen werden, wie schon andere Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Bewährt hat sich bei stärkeren
Migränekopfschmerz
en auch die Kombination von 1g ASS mit 1g Paracetamol. Auch ein
Therapieversuch mit Metamizol (z.B. Novalgin®) ist manchmal lohnend.
Ein potentes Therapeutikum bei
Migränekopfschmerzen
ist der Serotoninagonist
(= Mittel, das dem Gewebshormon Serotonin entgegenwirkt)
Sumatriptan (Imigran®). Initiale Dosierung : 100mg zum Einnehmen oder 6mg unter
die Haut gespitzt. Bei Wiederauftreten von
Kopfschmerzen
maximal zwei Verabreichungen in 24 Std. Häufiger wurde über ernstzunehmende
Nebenwirkungen berichtet, auch in den Medien. Bei Beachtung der
Anwendungsbeschränkungen kann das Verhältnis von Wirksamkeit und Verträglichkeit
jedoch als günstig angesehen werden (Tfelt-Hansen 1993). Wegen des
relativ hohen Preises dürfte Sumatriptan (gilt auch für andere Triptane)
allerdings erst dann zum Einsatz kommen, wenn andere
Migränemittel nicht
den gewünschten Erfolg bringen. Zwischenzeitlich gibt es weitere Triptane:
Zolmitriptan (AscoTop 2,5®,) Naratriptan (Naramig®), Rizatriptan
(Maxalt®), Almotriptan (Almogran®), Frovatriptan (Allegro®) und Eletriptan
(Relpax®). Zur Behand
lung der hemiplegischen,
ophthalmoplegischen oder
Basilarismigräne
sind Triptane allerdings nicht geeignet.
Ergotaminpräparate sind klassische Pharmaka zur Kupierung eines
Migräneanfall
s, wegen der möglichen Nebenwirkungen jedoch nicht ganz
unproblematisch. Die Gefahr einer Gewöhnung und Auslösung eines zusätzlichen
Dauerkopfschmerz
es
steigt mit zunehmender Einnahmehäufigkeit. Aus diesem Grunde sollten pro Woche
nicht mehr als 6mg Ergotamintartrat und pro
Migräneattacke
nicht mehr als 4mg eingenommen werden (Göbel, Ensink et. Soyka
1994).
Grundsätzlich gilt auch hier, daß bei Migränekopfschmerzen die Verwendung von
Mischpräparaten (z.B. Ergotamintartrat mit Coffein oder Prophyphenazon, Codein,
Paracetamol usw.) strikt vermieden werden soll. Auf dieser Therapiestufe kann
auch Dihydroergotamin (Hydergin®) i.m. (= in den Mus
kel)
oder ganz langsam i.v.
(= in eine Blutader)
versucht werden (1-1,5mg).
Besonders bei ausgeprägten vegetativen M
igränebegleiterscheinungen hat sich die zusätzliche Gabe von 1-2 mg Flunitrazepam (Rohypnol®) (= ein Schlafmittel) sehr
bewährt, auch unter dem Aspekt,
Analgetika (=
Schmerzm
ittel)
einzusparen, zumal die Patienten in dieser Situation ohnehin das Bedürfnis
haben, sich hinzulegen.
Werden die
Migränekopfschmerzen
von Nausea (=
Übelkeit, Brechreiz) und Erbrechen
begleitet (evtl. auch schon vor dem erwarteten Auftreten dieser Symptome), ist
die Verabreichung von Metoclopramid (Paspertin®) sehr wirksam, zum Einnehmen
oder als Zäpfchen bis zu 20mg, i.m. oder i.v. 10mg. Metoclopramid sollte nicht
an Kinder unter 10 Jahren verabreicht werden. Es ist vorteilhaft, diese Substanz
vor einem
Analgetikum (=
Schmerzmi
ttel) einzunehmen, weil Metoclopramid die
Darm
tätigkeit steigert und somit die Resorption
(= Aufnahme im Darm) weiterer
verabreichter Substanzen fördert. Alternativ kann auch der Dopamin-Antagonist
Domperidon (Motilium®) verwendet werden, Tabletten oder Tropfen bis zu 30mg.
Unter stationären Bedingungen, denkbar auch in einem separaten Raum innerhalb
einer Praxis, hat sich bei M
igräne die Verabreichung einer Infusion
(500ml Kochsalzlösung) mit 1g ASS (Aspisol®) kombiniert mit 10mg Metoclopramid
(z.B. Paspertin®) und 1-2mg Flunitrazepam (z.B. Rohypnol®) sehr bewährt, bei
heftigen
Schmerzen
zusätzlich 50-100mg Tramadol (z.B. Tramal®).
Die
therapeutische Lokalanästhesie
(=
Behan
dlung mit einem örtlichen
Betäubungsmittel) ist bei bereits
voll entwickelten
Kopfschmerzanfall
wenig hilfreich. Allerdings kann bei frühzeitiger Durchführung die Symptomatik
in vielen Fällen abgeschwächt werden, so daß oftmals Analgetika
(=
Schmerzmi
ttel) gar nicht oder in weit geringerer Dosierung als sonst üblich eingenommen
werden müssen.
Wir blockieren vorzugsweise mit Bupivacain 0,5% die Ner
ven supraorbitales
(=
Ner
ven
an der Augenbraue) (je ca. 0,5ml),
occipitales major (=
Ner
ven
am Hinterkop
f) (je ca. 1ml) und minor (je ca. 0,5-1 ml) und infiltrieren die
Schläfenregion beiderseits (je ca. 1-2ml). Obwohl die Mig
ränekopfschmerzen
meist nur einseitig auftreten, hat es sich bewährt, diese Schmerztherapie nicht
nur auf die aktuell betroffene Kopfhälfte zu beschränken.
Wenn heftige Mig
ränekopfschmerzen gehäuft (mehrmals pro Woche)
auftreten, sind im Rahmen einer
stationären Schmerztherapie schmerzseitige Blockaden
(= Betäubungen) des
Ganglion stellatum
(= eine vegetative Schaltstelle im seitlichen Halsbereich)
in engmaschiger Abfolge sehr hilfreich.
Arten die Kopfsch
merzen
in einen Status migraenosus
(= länger als 72h anhaltender Migräneanfall) aus, so ist dies eine
Indikation (=
Anzeige) zur stationären Aufnahme.
Bewährt hat sich die mehrmalige (2-3x in 24 Std.) Verabreichung von 1-2mg
Flunitrazepam (z.B. Rohypnol®), initial zusammen mit 40mg Prothipendyl (z.B.
Dominal forte®), sowie eine Tropfinfusion mit 100 mg Tramadol, 1g Aspisol® und
10-20mg Metoclopramid. Bei anhaltendem Erbrechen sollte mit der Gabe von
Dehydrobenzperidol (z.B. 2,5 mg i.m.) nicht gezögert werden.
Allgemeinmaßnahmen im
Migränenfall
bestehen in Reizabschirmung (ruhiges und verdunkeltes Zimmer).
Prophylaktische
(= vorbeugende) Thera
pie der primäre
n M
igränekopfschmerzen:
Nicht immer sind die Patienten
bereit, auch im schmerzfreien Intervall konsequent Medikamente einzunehmen, so
daß oftmals eine ausführliche Aufklärung erforderlich ist. Eine
Migräneprophylaxe
(=
Migränevorbeugung)
sollte nur dann erfolgen, wenn die Migräneattacken mindestens zwei mal pro Monat
auftreten. Nach Göbel und Soyka (1994) ist die Indikation auch
gegeben, wenn im bisherigen Verlauf mindestens zweimal ein Status migraenosus,
eine prolongierte (= verlängerte) Aura oder einmalig ein migränöser Infar kt
(= Gewebszerstörung in
bestimmten Hirnbereichen infolge von Sauerstoffmangel) aufgetreten sind.
Als Mittel der ersten Wahl gelten Beta-Rezeptorenblocker
(= eigentlich Blutdruckmittel, die aber auch gegen
M
igräne
wirken). Allerdings haben nicht alle
Substanzen aus dieser Gruppe eine vorbeugende Wirkung auf die M
igränekopfschmerzen.
Relativ sicher wirken Propanolol und Metoprolol (Diener 1989); beide
Substanzen werden langsam einschleichend dosiert. Die tägliche Höchstdosierung
für Metoprolol (z.B. Beloc®) beträgt 200mg, für Propanolol (z.B. Dociton®)
240mg. Bei Ausbildung nicht tolerierbarer orthostatischer
(= den Kreislauf betreffende)
Störungen oder einer Bradykardie
(= zu langsamer Puls)
muß die Beha
ndlung abgebrochen werden (ausschleichend). In der Einschleichphase
müssen daher regelmäßige Puls- und Blutdruckkontrollen durchgeführt werden. Die
Wirkungsweise der Beta-Blocker in Bezug auf M
igränekopfschmerzen ist noch nicht sicher
bekannt.
Zur Intervalltherapie der Migränekopfschmerzen eignen sich auch
Kalzium-Antagonisten
(= ein Mittel das der Wirkung von Kalzium entgegenwirkt).
Flunarizin (Sibelium®) sollte aufgrund einer Bewertung durch das
Bundesgesundheitsamt nur bei Patienten eingesetzt werden, die unter häufigen und
schweren M
igräneanfällen leiden und bei denen eine Beha
ndlung mit Beta-Blockern kontraindiziert
(= gegenangezeigt)
ist bzw. keine ausreichende Wirkung gezeigt hat. Nach einer Studie hat sich
Cyclandelat (Natil®) zur Prop
hylaxe nicht bewährt.
Eine weitere Prophylaxemöglichkeit (3. Wahl) dieser
Kopfsch
merzen
besteht in der Verabreichung von Serotonin-Antagonisten
(= Mittel, die dem Gewebshormon Serotonin entgegenwirken). Pizotifen (z.B. Sandomigran®) hat einen hemmenden Effekt auf die
Serotonin-Freisetzung im Anfangsstadium. Lisurid (Cuvalit®), ein Ergota
min -Derivat, ist ein Serotonin
-Partialantagonist. Die Tagesdosis beträgt 0,075 mg. Im Gegensatz zu anderen
Autoren (Soyka 1989) wird diese Substanz bei uns kaum verwendet, da
bisherige Therapieversuche nicht überzeugt haben.
Zur Prop
hylaxe der
Kopfsch
merzen
(primäre) bei der sog. menstruellen
(= regelbedingten)
M
igräne soll Sulpirid (Dogmatil®) hilfreich sein
(Thoden 1986). Göbel und Soyka (1994) empfehlen eine
"Kurzzeitprophylaxe" mit 250-500 mg Naproxen, vier Tage vor der erwarteten Regel
bis drei Tage danach.
Das Derivat der Lysergsäure, Dihydroergotamin (Hydergin®) ist zur Vor
beugung der M
igränekopfschmerzen
umstritten. So wird es z.B. in anglo-amerikanischen Ländern dafür nicht
verwendet.
Zur Mi
gräneprophy
laxe
(=
Migränevorbeugung)
ist in Deutschland auch das Antiepileptikum
(= eigentlich ein Mi
ttel gegen die
Fallsucht) Topiramat (Topamax® )
zugelassen. Dieses Medikament sollte aber nur bei Erwachsenen angewendet werden
und nur dann, wenn eine Therapie mit Betablockern nicht indiziert
(= angezeigt) ist, zuvor nicht erfolgreich war oder nicht vertragen wurde.
Nach einem Bericht in der Welt (19.4.04) soll zur Vorbeugung der
Migräne mit Aura
die auch regelmäßige Zufuhr von Folsäure geeignet sein.
Wenn die
Schmerzanfälle
gehäuft (z.B. mehrmals pro Woche) auftreten und andere vorbeugende Medikamente
(z.B. Beta-Blocker) nicht greifen, ist nach unserer Erfahrung bei
Migränekopfschmerzen auch die therapeutische
Lokalanästhesie
(=
Behan
dlung mit einem
örtlichen
Betäubungsmittel)
lohnend, besonders wenn sie über 2-3 Wochen unter stationären Bedingungen 2x
täglich konsequent durchgeführt wird (Leser et Hefermann,
Schmerzkl
inik Bad Mergen
theim 1990). Dabei betäuben wir,
wie zur Akutbehandlung schon beschrieben, die das Kranium
(= den knöchernen Schädel)
versorgenden Ner
ven an ihren Austrittspunkten. Ergänzt wird die
Schmerztherapie
durch tiefe Infiltration der oft verspannten, an die
Halswirbelsäule
angrenzenden
Muskulatur.
Die Wirkungsweise dieser Thera
pie ist bei M
igränekopfschmerzen nicht geklärt, vermutlich
kommt es zu einer tiefgreifenden neurovegetativen Umstimmung.
Diese Wirkungsvorstellung ähnelt sehr dem neuraltherapeutischen Konzept,
allerdings mit dem Unterschied, daß statt
Procain das langwirkende örtliche Betäubungsmittel
Bupivacain verwendet wird.
Ergänzende Methoden zur Beha
ndlung von M
igränekopfschmerzen:
Meist werden die folgenden Methoden
ergänzend eingesetzt, d.h. als Monotherapie
(= alleinige Behandlun
g)
ist die Wirkung in der
Migränebehandlung
in der Regel nicht ausreichend.
Eine der klassischen Indikationen für die
Akupunktur sind primäre Kopfschmerzen. Zur
Beha
ndlung dominieren Nadelpunkte auf dem
Gallenblasen-Meridian, so z.B. die Punkte 3, 17, 40 und 43, zusätzlich das
Lenkergefäß 25 in der Mitte der Nasenwurzel (Kossmann et al. 1986). Es
sei darauf hingewiesen, daß auch für die Beha
ndlung der Migränekopfschmerzen mit
Akupunktur (noch) keine wissenschaftlich exakten Ergebnisnachweise
vorliegen.
Die transkutane Nervenstimulation mittels Niederfrequenzgenerator über
Klebeelektroden (TENS) kann bei
Kopfsch
merzen,
wenn sie bei den ersten Anzeichen einer Attacke durchgeführt wird, durchaus eine
Linderung der Beschwerden herbeiführen, manchmal sogar den Ausbruch einer
Attacke verhindern.
Bei vielen M
igränepatienten fällt auf, daß auch im
schmerzfreien Intervall die an die Halswir
belsäule angrenzende Mus
kulatur, teilweise auch die
Schultermuskulatur verspannt ist. In diesen Fällen hat sich die Verordnung von
physikalischen Therapiemaßnahmen (Fango, Kältebehandlung u.a.) und
Krankengymnastik als ergänzende Schmerztherapie bewährt. Manchmal kann auch
durch eine manuelle Lymphdrainage im Kop
f-/Halsbereich eine deutliche Linderung
der M
igränekopfschmerzen
erzielt werden.
Zu erwähnen wäre bei M
igräne auch die Hydrotherapie in Form von
Wechselbädern der Ext
remitäten
(Ar
me und B
eine)
und/ oder Kneippschen Güssen. Wahrscheinlich beruht der oft zu beobachtende
positive Effekt auf einer neurovegetativen Umstimmung im Sinne eines
ganzheitlichen Behandlungsansatzes.
Bewährt hat sich auch
Biofeedback (=
Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale).
Auch
psychologischen Interventionen können M
igränekopfschmerzen
lindern: hauptsächlich Entspannungstechniken,
Streß - und
Schmerzbewältigungstraining.
2.
Spannungskopfschmerzen
(oft auch als
Kopfschmerzen vom
Spannungstyp bezeichnet):
Spannungskopfschmerzen
sind von allen genannten Begriffen am wenigsten klar definiert. Der Begriff wird
deshalb oftmals als Verlegenheitsdiagnose verwendet.
Die Symptomatologie
(= die verschiedenen Krankheitszeichen) wird in der Literatur nicht einheitlich angegeben. Nach Meyer
(1989) ist die Lokalisation dieser
primäre
n Kopfsch
merzen
wechselnd, oft fronto/okzipital
(= im Sti
rn/Hinterhaupt-Bereich auftretend), Soyka (1989) dagegen
gibt als Schwerpunkt die
Nacken
- und
Hinterkopf
region an.
Meist wird der Schmerzcharakter mit dumpf, bohrend und spannend bezeichnet. In
der Regel liegen die Beschwerden beiderseits vor. Nach unseren Erfahrungen geben
die betroffenen Patienten häufig an, der
Schmerz steige von
der Hinterkopfregion auf und breite sich dann diffus bis zu beiden Augenhöhlen
aus.
In der Regel beginnen die
primäre n
Kopfsch
merzen
vom Spannun
gstyp schleichend morgens und steigern sich dann im Verlauf des Tages,
meist den ganzen Tag anhaltend. Teilweise werden aber auch im Tagesverlauf
unterschiedlich lange anfallsartige Schmerzverstärkungen angegeben, manchmal mit
(milden) vegetativen Symptomen (z.B. Übelkeit) einhergehend, so daß auch das
Vorliegen von
Migränekopfschmerzen
in Frage kommt.
Bei der Untersuchung ist die Hinterkopfregion beiderseits oft druckschmerzhaft.
Teilweise ist die Kalotte
(= der knöcherne Schädel)
klopfschmerzhaft. Sehr häufig finden sich im Halswirbelsäulenbereich
Muskelverspannungen, diese können auch bis zur
Schulter
muskulatur
reichen.
Fast alle Patienten mit einem
Spannungskopfschmerz
geben an, daß Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit nachgelassen hätten.
Eine Unterteilung in "episodische (= von Zeit zu Zeit auftretenden)
Spannun
gskopfschmerzen" und "chronische Spannun
gskopfschmerzen" erscheint nicht
sinnvoll, weil damit lediglich Verlaufsvarianten beschrieben werden, die sich
selbst bei gleichen Patienten häufig abwechseln können.
Eine Verspannung der perikranialen (= den Schädel umgebenden)
Mus
kulatur, wie es dieser Kopfschmerzbegriff
vermuten läßt, ist nicht zwingend. Psychische Überlagerung, vor allem in Form
von depressiver Verstimmung und/oder psychovegetativer Labilität ist häufig. In
der Regel dominiert die pflichtbewußte und leistungsorientierte Persönlichkeit.
Zur Differentialdiagnose von primäre n, aber auch sekun dären Kopfsch merzen (= zum Herausfinden um welche Kopfschmerzform es sich handelt) eignen sich Nervenblockaden (= Nervenbetäubungen). Während einer regelrechten Blockade der Ner ven supraorbitales, occipitales majores und minores sowie auriculotemporales (infiltrativ im Schläfenbereich) bleiben i.d.R. Kopfsch merzen vom Spannun gstyp weg, nicht aber vasomotorische Kopfschmerzen (= von Blutgefäßen ausgehende) oder posttraumatische Kopfschmerzen (= nach Verletzungen auftretende Kopfschmerzen), sofern diese auf meningeale (= hirnhautbedingte) Störungen zurückzuführen sind.
3. Trigeminoautonome Kop fschmerzen
a)
Cluster-Kopfschmerzen:
Synonyme (=
weitere Bezeichnungen) für diese
eigenständige, von der Mig
räne und der
Trigeminus-Neuralgie
abzugrenzende primäre Kopfschmerzen sind:
Erythroprosopalgie,
Bing-Horton-Kopfsch
merzen,
ziliare Neuralgie
und N.
pertrosus-Neuralgie.
Die Krankheitsursache dieser
primäre
n
Kopfschmerzen ist unbekannt.
Hauptsymptom (=
vorherrschendes Krankheitszeichen)
der Clus
ter-
Kopfsch
merzen
ist der streng einseitig, in aller Regel periorbital
(= um das Auge herum)
oder frontotemporal
(= Sti
rn-/Schläfenbereich betreffend)
in Attacken und vorwiegend nachts auftretende
Schmerz von
unerträglicher Intensität und einer durchschnittlichen Dauer bis zu wenigen
Stunden. Überwiegend wird der Schmerzcharakter mit bohrend oder brennend
angegeben. Typischerweise, jedoch nicht zwingend, kommt es zu Tränenfluß und
Rötung des schmerzseitigen Auges, evtl. begleitet von Engstellung der Pupille
und Verengung der Lidspalte (partielles Horner-Syndrom) sowie Nasenträufeln als
Begleiterscheinungen.
Manchmal treten bei
Clusterkopfschmerz
auch Übelkeit und Brechreiz auf, was zu Verwechslungen mit der M
igräne führen kann.
Im Gegensatz zu Migränepatienten sind Patienten mit Clus
terkopfschmerzen eher unruhig und laufen während
der
Schmerzattacke
umher; ihr Ruhebedürfnis ist weniger ausgeprägt als bei Migränikern.
Der einschießende Schmerzcharakter und die extreme Schmerzintensität können zur
Verwechslung mit der
Trigeminusneuralgie
Anlaß geben. Schmerzauslösende Mechanismen können vorhanden sein, so z.B.
Flimmer- und Flackerlicht, Aufenthalt in großen Höhen, Histamin und
Nitroglyzerin, öfters aber auch Alkohol (Soyka 1989). Nitroglyzerin (in
Form von Nitratpflaster) verwenden wir deshalb regelmäßig als Provokationstest,
um die Stabilität eines Behandlungserfolges einschätzen zu können.
Thera
pie der primäre
n
Clus
ter-
Kopfschmerzen:
Ein statistischer Erfolgsvergleich unterschiedlicher Therapiemaßnahmen wird
durch die Tatsache erschwert, daß Clus
tekopfschmerzen
meist schubartig verlaufen, d.h. monatelange, in Ausnahmefällen sogar jahrelange
schmerzfreie Intervalle kennzeichnen diese Kopfschmerzform. Wie bei den anderen
primäre
n (= nicht
auf eine andere Krankheit zurückzuführende)
Kopfsch
merzen
ist es auch bei Clus
terkopfschmerzen
oftmals erforderlich, die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten nacheinander
auszutesten, um die optimale herauszufinden.
Thera
pie akuter Clus
ter-
Kopfschmerzen:
Wegen der häufig kurzzeitigen
Attackendauer kommen meist nur solche Methoden zur Anwendung, die innerhalb
weniger Minuten wirken können. Orale
(= Tabletten, Tropfen) und rektale
(= Zäpfchen) Verabreichung von z.B.
Ergota min ist daher nur bei längerer
Anfallsdauer sinnvoll. Die Einatmung von reinem Sauerstoff über Maske ist eine
bewährte Methode zur Kupierung des Anfalls. Die Verabreichung über eine
Nasensonde ist meist nicht ausreichend. Diese Methode hat den Vorteil, daß
entsprechende Geräte zum häuslichen Gebrauch auf Kosten der Krankenkassen
verordnet werden können.
Im Gegensatz zur akuten Migräneattacke sprechen diese akuten primäre n
Kopfsch
merzen
in der Regel auf die
therapeutische Lokalanästhesie
(= Behandlun
g mit einem örtlichen
Betäubungsmittel) an. Bewährt hat
sich die Betäubung der schmerzseitigen Ner
ven supraorbitalis (ca. 1 ml),
supratrochlearis (ca. 0,5ml), jeweils am zugehörigen Austrittspunkt, und die
großzügige flächenhafte Infiltration des dominanten Schmerzareals im St
irn- /Schläfenbereich. Bei
Schmerzausstrahlungen in den Oberk
iefer muß der Infraorbitalis-Nerv
ebenfalls blockiert werden (1-2ml). Das
Lokalanästhetikum
(= örtliches
Betäubungsmittel) der ersten Wahl ist
bei uns das langwirkende Bupivacain 0,5% (z.B. Carbostesin®). In hartnäckigen
Fällen führen wir diese Schmerztherapie mit gutem Erfolg konsequent 2 bis 3 mal
täglich durch, auch an Wochenenden, was jedoch nur unter stationären Bedingungen
durchführbar ist. Auch wiederholte Betäubungen des Ganglion stellatum
(= eine vegetative Schaltstelle
im seitlichen Halsbereich) mit einem
langwirkenden örtlichen Betäubungsmittel können bei Clus
terkopfschmerzen
sehr hilfreich sein.
Empfohlen wird auch eine nasale Instillation
(= in die Nase eingebracht)
von 1 ml 4%iges Lidocain (Xylocain®)
(= ein mittellang wirkendes örtliches Betäubungsmittel)
bei 45 Grad rekliniertem und 30-40 Grad zur betroffenen Seite rotiertem Kop
f (Pfaffenrath 1988).
Wirksam ist beim
Clusterschmerz auch
Ergotamin. Nachteilig ist, daß sich bei häufigem Gebrauch ein
ergotaminbedingter
Dauerkopfschmerz
ausbilden kann. Wegen des schnellen Wirkungseintrittes kann auch
Dihydroergotamin (Hydergin®) i.m. (i.v.) gegeben werden (1-2mg), evtl.
kombiniert mit 1g Metamizol (z.B. Novalgin®).
Das
Migränemittel
Sumatriptan (Imigran®, bzw. auch andere Triptane) ist auch bei
Clusterattacke
n sehr wirksam, insbesondere unter die Haut gespritzt (6 mg)(auch mit
Autoinjektor vom Patienten selbst injizierbar), ansonsten 100mg oral
(= durch den Mun
d).
Bei Wiederauftreten von Schmerzen maximal zwei Verabreichungen in 24 Std.
Häufiger wurde über ernstzunehmende Nebenwirkungen berichtet, auch in den
Medien. Bei Beachtung der Anwendungsbeschränkungen kann das Verhältnis von
Wirksamkeit und Verträglichkeit jedoch als günstig angesehen werden (Tfelt-Hansen
1993). Mittlerweile gibt es Triptane z.T. auch als (Nase
n-) Spray zum schnelleren Wirkungseintritt.
Wegen des relativ hohen Preises dürfte Sumatriptan (und andere Triptane)
allerdings erst dann zum Einsatz kommen, wenn andere Maßnahmen nicht den
gewünschten Erfolg bringen.
Prophy
laxe (= Vor
beugung)
der primäre
n
Clusterschmerzen:
Als Mittel der Wahl gilt der
Calcium-Antagonist Verapamil (z.B. Isoptin®). Dosierung: bis zu 3-4x 80 mg pro
Tag, in der ersten Woche einschleichend. Der Wirkungsmechanismus von Verapamil
bei Clus
terkopfschmerzen ist unbekannt.
Neue Dosierung: In hartnäckigen Fällen wird Verapamil mit gutem Erfolg sehr
viel höher dosiert: bis 500 mg/Tag (und mehr), initial
(= zu Anfang)
unter ständiger Blutdruck- und Pulskontrolle.
Als Mittel der 2. Wahl kann bei
Clusterkopfschmerzen
Lithium empfohlen werden (z.B. Hypnorex®, Quilonum®). Lithium soll bereits
unterhalb des empfohlenen Serumspiegels beim
Clusterkopfschmerz
wirksam sein.
In hartnäckigen Fällen und unter strenger Abschätzung des therapeutischen
Risikos im Verhältnis zu einem möglichen Nutzen, kann eine Kortikoid-Beha
ndlung versucht werden, z.B. mit
Prednisolon®. Empfohlene Dosierung: 1-4. Tag 80mg, 5- 8 Tag 70mg, dann jeweils
nach 4 Tagen die Dosierung um weitere 10mg reduzieren.
Der Serotonin-Antagonist Methysergid (Deseril ret.®)
(= ein Mittel, das dem
Gewebshormon Serotonin entgegenwirkt)
kann auch zur Prop
hylaxe von Clus
terkopfschmerzen verwendet werden.
Teilweise wird empfohlen, zur Prophy
laxe von
Custerkopfschmerzen
regelmäßig täglich
Ergota min zu verabreichen. Wegen der
Gewöhnungsgefahr und der hohen Wahrscheinlichkeit, damit die gefürchteten
Ergotamin-Kopfschmerz
en zu induzieren, muß davor dringend gewarnt werden.
Zur Prop hylaxe hat sich bei uns auch die wiederholte therapeutische Lokalanästhesie (= Behan dlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) wie bei der Akutbehandlung sehr bewährt. Manchmal werden auch in der schmerzseitigen Hinterkopfregion Schmerzen angegeben; in diesem Fall blockieren (= betäuben) wir dann auch die Ner ven occipitales major und minor. Optimal ist diese Beha ndlung unter stationären Bedingungen, weil dann diese Schmerztherapie konsequent 2x täglich, auch an Wochenenden, über einen Zeitraum von 2-3 Wochen durchgeführt werden kann. Unter dieser Schmerztherapie fallen in der Regel die Schmerzattacken zunehmend milder aus, um im Idealfalle allmählich wegzubleiben.
Nichtmedikamentöse Maßnahmen bei
Clus
ter-
Kopfschmerzen:
Anders als z.B. bei der M
igräne spielen bei diesen primäre n
Kopfsch
merzen
psychische Faktoren eine eher untergeordnete Rolle, so daß diesbezüglich nur
allgemeine Maßnahmen empfohlen werden können, so z.B. eine
Schmerzbewältigung.
Transkutane Nervenstimulationen mittels Niederfrequenzgenerator über
Klebeelektroden (TENS) haben bei diesen
Kopfsch
merzen
nur selten einen positiven Effekt.
b)
Paroxysmale Hemikranie
(CPH):
Diese Kopfsch
merzen (primäre)
wurden erstmals 1974 beschrieben. Charakteristische Merkmale sind streng
einseitig auftretende
Kopfschmerzanfälle
hauptsächlich im orbitalen
(= die Augenhöhle betreffend),
supraorbitalen (= die
Sti
rn betreffend) und/oder
temporalen (= die
Schlä
fe betreffend) Bereich und
einer Dauer von 2 bis 45 Minuten. Die
Schmerzanfälle
treten mindestens 5 mal pro Tag auf. Als Mittel der Wahl gilt auch hier
Indometacin (z.B. Indometacin-Ratio®), alternativ soll das
Piroxicamderivat Beta-Cyclodextrin hilfreich sein.
Die IHS (Internationale Kopfschmerzgesellschaft) - Kriterien verlangen, daß die
Diagnose einer chronisch paroxysmale
n Hemikranie (CPH) nur dann Bestand hat,
wenn während der Attacken mindestens eines der folgenden autonomen Symptome
(= unabhängige,
selbständige, nach eigenen Gesetzmäßigkeiten ablaufende Krankheitszeichen)
auf der betroffenen Seite auftritt:
c). Zu erwähnen wäre noch das seltene
SUNCT-Syndrom, ebenfalls
primäre
Kopfsch
merzen.
Dabei kommt es zu 15 bis 120 Sekunden lang anhaltenden, einseitigen
Schmerzattacken um
das Auge herum, begleitet von konjunktivaler Injektion
(= Sichtbarwerden feiner
Blutgefäße im Auge als Folge von Blutfülle),
Lakrimation (=
Tränenfluß) und Nasenträufeln.
Zusätzlich besteht ein gleichseitiges Gesichtschwitzen, das aber meist nur
gering ausgeprägt ist.
4. Andere primäre Kopfsch merzen
Unter diesem Begriff fassen wir scheinbar eigenständige Kop fschmerzbilder wie ve rtebragene oder zervikogene Kopfschmerzen (= von der Halswir belsäule ausgehende Kop fschmerzen), oder auch sog. neu aufgetretene Dauerkopfschmerzen, Anstrengungskop fschmerzen, die Occipitalneuralgie (= Nervenschmerzen im Bereich des Hinterkopfes) oder Hemicrania continua (= anhaltender Halbseitenkopfschmerz) zusammen. Allen Formen gemeinsam ist die sehr variablen Krankheitszeichen, so daß eine eindeutige Diagnosezuordnung in vielen, wenn nicht in den meisten Fällen, willkürlich ist. Oftmals ist nicht einmal eine sichere Abgrenzung gegen Migräne- oder vasomotorische Kopfschmerzen (= von Blutgefäßen ausgehende Kop fschmerzen) möglich.
Zervikogene Kopfschmerzen
(vertebragene
Kopfschmerzen):
Der Unterschied zu
Kopfsch
merzen
vom Spannun
gstyp dürfte nur darin bestehen, daß mit dem Begriff "ve
rtebragen"
(= wirbelsäulenbedingt)
lediglich auf eine mögliche Ursache bzw. einen Zusammenhang hingewiesen wird.
Die Schmerzausstrahlung verläuft vom Nack
en aufsteigend zur
Stirn hin, nicht
selten tritt gleichzeitig ein
Schulter-Arm-Syndrom
auf.
Okzipitalneuralg
ie:
Die primäre
(= als eigenständige Erkrankung
auftretende)
Occipitalneuralgie
(Okzipitalisneuralgie)
ist selten. Es treten einseitig einschießende
Kopfsch
merzen
im Versorgungsgebiet des N. occipitalis major auf (Hinterkop
f bis Scheitelhöhe).
Die Diagnose einer Okzipitalisneuralgie
wird durch eine probatorische
(= zur Klärung der Diagnose durchgeführte)
Nervenblockade mit z.B. 1-3 ml Mepivacain (z.B. Scandicain®1%) (= mittellang wirkendes örtliches
Betäubungsmittel) gesichert. Wie bei
der
Trigeminusneuralgie
liegt häufiger eine atypische Form vor, gekennzeichnet durch meist einseitig
auftretende Kopfsch
merzen
und längerfristige Schmerzepisoden bis hin zu einem
Dauerschmerz.
Hemicrania continua
(anhaltende
Halbseitenkopfschmerzen):
Diese primäre
Kopfschmerzform tritt stets einseitig und seitenkonstant als
Dauerkopfschmerz
auf. Differentialdiagnostisch (= um herauszufinden um
welches
Kopfschmerzsyndrom es sich handelt) zu
verwerten ist, daß diese Beschwerden nur auf
Indometacin (z.B.
Indomet ratiopharm®) ansprechen (Sjastaad 1984). Vermutlich handelt es
sich hierbei ebenfalls um einen
Kopfschmerz vom Spannungstyp,
allerdings halbseitig auftretend.
Raeder-Syndrom:
Diese
primäre
n Kopfsch
merzen
sind im Versorgungsgebiet des Nervus ophthalmicus
(= oberer Gesichtsnerv)
lokalisiert. Die Symptomatik ist den
Clusterkopfschmerzen
ähnlich.
Neck-Tongue-Syndrom (Nacken-Zungen-Syndrom):
Die Kopfsch
merzen
treten attackenartig einseitig hinterkopfbetont auf und sind von einer
unangenehmen
Hypästhesie (=
herabgesetzte Empfindlichkeit) der
gleichseitigen
Zunge
nhälfte begleitet.
Die Ursache ist nicht eindeutig geklärt, es wird eine Subluxation
(= unvollständige Ausrenkung)
des Atlanto-Axial-Gelenkes
(= das untere Kopfgelenk zwischen dem 1. u. dem 2. Halswirbel, ermöglicht
Drehbewegungen des Kopfes) vermutet (Bogduk
1981).
Neu aufgetretener
Dauerkopfschmerz
(engl.: new daily persistent headache):
Unter dieser Kopfschmerzform leiden etwa 0,2 der Bevölkerung.
Die Abgrenzung vom (chronischen) Spannungskopfschmerz ist schwierig und auch
nicht unumstritten. Auch bei diesem
Kopfschmerz können
milde migräneartige Begleiterscheinungen auftreten, so. z. B. Photo- und
Phonophobie (= Licht-
und Geräuschempfindlichkeit) oder
auch Übelkeit, allerdings kein (regelmäßiges) Erbrechen.
Neu aufgetretene
Dauerkopfschmerzen weisen mindestens zwei der folgenden Eigenschaften
auf:
Ursächlich ist häufig eine vorausgegangene
Infektion (=
Eindringen von Mikroorganismen, z.B. Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten in den
Mensch, wo sie haften bleiben und sich vermehren
-n. Roche-). Schon in den ersten Beschreibungen wurde auf einen Zusammenhang mit
Virusinfekten hingewiesen (Vanast et al. 1987).
Die Kopfschmerzbehandlung
erfolgt wie bei Spannungskopfschmerzen.
Pri
mär stechende Kop
fschmerzen:
Vorübergehende und umschriebene schmerzhafte Stiche im Kopf, die spontan ohne
eine organische Erkrankung der betreffenden Strukturen oder eines Hirnnervens
auftreten (Quelle:
www.ihs-klassifikation.de).
Pr
imärer Hustenkopfschmerz:
Durch Husten hervorgerufene Kop fschmerzen in Abwesenheit
jeglicher intrakranialer (= im Kopf) Erkrankung
(Quelle:
www.ihs-klassifikation.de).
Prim
ärer Kop fschmerz bei
körperlicher Anstrengung:
Kop
fschmerz, hervorgerufen durch jede Form von
körperlicher Anstrengung. Subtypen, wie der "Gewichtheberkopfschmerz", werden
anerkannt (Quelle:
www.ihs-klassifikation.de).
Prim
ärer Kop fschmerz
bei sexueller Aktivität:
Kop
fschmerz, der durch sexuelle Aktivität
hervorgerufen wird. In der Regel beginnt der Kop fschmerz bei
zunehmender sexueller Erregung als dumpfer, bilateraler Schmerz und intensiviert
sich schlagartig während des Orgasmus. Intrakraniale Erkrankungen bestehen nicht
(Quelle:
www.ihs-klassifikation.de).
Prim
ärer
schlafgebundener Kop
fschmerz:
Kopfschmerzattacken
von dumpfer Qualität, die den Patienten immer aus dem Schlaf erwecken
(Quelle:
www.ihs-klassifikation.de).
Prim
ärer
Donnerschlagkopfschmerz:
Plötzlich auftretender Kop fschmerz stärkster Intensität,
der einem Kop
fschmerz bei Ruptur eines intrakranialen
Aneurysmas (=
krankhafte Blutgefäßwandausbuchtung im Inneren des Kopfes)
ähnelt (Quelle:
www.ihs-klassifikation.de).
Kopfschmerztherapie:
Die Schwierigkeit genereller Therapieempfehlungen liegt darin, daß
Kopfsch
merzen
in allen möglichen Variationen auftreten, sowohl hinsichtlich der Intensität als
auch der Periodizität
(= zeitliches Auftreten).
Die Kop
fschmerzcharakteristika sind nicht nur von
Patient zu Patient verschieden, sondern können sich auch im Verlauf der
Erkrankung beim selben Patienten ändern, so daß dann jeweils die aktuelle
Schmerztherapie angepaßt werden muß. Hinzu kommt, daß die verschiedensten
Behandlungsmaßnahmen sehr unterschiedlich wirken können. Was bei einem Patienten
wirksam ist, muß dem anderen noch lange nicht helfen, auch wenn scheinbar
Diagnose und Symptomatik (= Krankheitszeichen) übereinstimmen. Letztlich gilt es also, für jeden Patienten eine
optimale individuelle Schmerztherapie zu erarbeiten, was sehr zeitaufwendig sein
kann.
Medikamentöse
Kopfschmerzbehandlung:
Die Beha
ndlung der primäre n
(= nicht auf eine sonstige Krankheit zurückzuführenden)
Kopfsch
merzen
mit
Medikamenten ist
und bleibt angesichts mangelnder kausaler
(= ursächlicher)
Therapiemöglichkeiten eine Notlösung, weshalb im Hinblick auf die
Nutzen-Risiko-Relation die Arzneimittelverordnung ständig überprüft und der
aktuellen Leidenssituation des Patienten angepaßt werden muß.
Genaue Kenntnisse über Nebenwirkungen und Kontraindikationen
(= Gegenanzeigen)
sind für eine optimale Beha
ndlung unabdingbare Voraussetzungen.
Grundsätzlich gilt, daß
Analgetika (=
Schmerzm
ittel)
möglichst nicht auf Dauer verabreicht werden sollen. Die Gefahr einer Gewöhnung
oder gar Abhängigkeit wird durch Verordnung von Kombinationspräparaten noch
gefördert. Besonders gefürchtete Beimischungen sind Barbiturate, Kodein und
Ergota
min.
Akuttherapie:
Für die Beha
ndlung primäre r
(= nicht auf eine sonstige Krankheit zurückzuführende)
Kopfsch
merzen
haben sich folgende Analgetika (=
Schmerzmittel)
bewährt: Acetylsalicylsäure (z.B. ASS-ratiopharm®, Aspirin®), Paracetamol (z.B.
ben-u-ron®) und sog. nichtsteroidale Antirheumatika wie z.B. Ibuprofen (z.B.
Brufen®, Dolgit®). Besonders magenschonend und auch entzündungshemmend sind
die sog. COX-2 Inhibitoren, z.B. Parecoxib (Dynastat®) oder
Etoricoxib (Arcoxia®), allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem
Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer.
Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib und Etoricoxib nicht auch noch vom Markt
genommen werden, wie schon andere Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Zusätzlich kann die Gabe eines zentralen Muskelrelaxans
(= ein Mittel zur
Muskelentspannung), z.B. Baclofen
(z.B. Lioresal®) hilfreich sein. Der akute
Spannungskopfschmerz
spricht auch auf
Ergotamingabe an. Hinsichtlich der Verordnungshäufigkeit bestehen aber die
gleichen Bedenken wie bei der
Migränetherapie.
Bei unzureichender Wirkung von Acetylsalicylsäure oder Paracetamol kann auch
Metamizol (Baralgin®, Novalgin®) versucht werden. Die i.v. Applikation
(= in eine Blutader
verabreicht) (langsam) führt zu einem
schnellen Wirkungseintritt. In seltenen Fällen kann allerdings die gefürchtete
Agranulozytose (=
Zerstörung bestimmter Blutzellen)
auftreten.
Alternativ kommt aus der Gruppe der zentral wirksamen
(= im Rückenmark bzw. Gehirn
wirkenden) Schmerzm
ittel bei
Kopfsch
merzen
vom Spannun
gstyp noch Tramadol (Tramal®) in Frage, evtl. in Kombination mit einem
peripher (= direkt im
Schmerzbereich) wirkenden Schmerzm
ittel. Tilidin, selbst in Verbindung mit
Naloxon (Valoron N®) hat nach unseren Erfahrungen immer noch ein gewisses
Suchtpotential. Eine Entwöhnung bzw. eine
Entzugsbehandlung ist manchmal sehr schwierig.
Opioide oder Opiate
(= morphinähnliche
Schmerzmi
ttel) sollten eher zurückhaltend verordnet werden.
Oftmals kann mit der therapeutischen
Lokalanästhesie
(= Behan
dlung mit
einem örtlichen
Betäubungsmittel)
in Form von
Nervenblockade
n
(= Nervenbetäubungen)
und Infiltrationen dominanter Schmerzareale prompt Schmerzfreiheit erzielt
werden. Nicht selten ist zu beobachten, daß auch bei einmaliger Anwendung die
Wirkung deutlich über die Wirkdauer des verwendeten örtlichen Betäubungsmittels
hinaus anhält.
Thera
pie subakuter oder chronische
r, primäre
r Kopfschmerzen:
Zur Beha
ndlung subakuter (= eher mäßiger) oder chronische
r
Kopfsch
merzen
haben sich verschiedene psychotrope Substanzen
(= Mittel, die auf die Psyche einwirken bzw. zu einer
Schmerzdistanzierung führen)
(z.B. Doxepin, Maprotilin) sehr bewährt. Primär kommen sie dabei wegen ihrer
schmerzdistanzierenden Wirkung zur Anwendung. Maprotilin (z.B. Ludiomil®) kommt
bei uns am häufigsten zur Anwendung und ist wegen der ausgeprägten dämpfenden
Wirkung besonders für unruhige Patienten geeignet. Amitriptylin (z.B. Saroten®)
ist stärker stimmungsaufhellend und mäßig dämpfend. Amitriptylinoxid (Equilibrin®)
ist eine biochemische Vorstufe des Amitriptylins und gilt als besser
verträglich. Doxepin (z.B. Aponal®, Sinquan®) eignet sich zur vegetativen
Harmonisierung, wirkt ausgesprochen depressionslösend und dämpfend. Diese
Substanz eignet sich auch zur Abschirmung eines Arzneimittelentzuges. Die
Dosierung erfolgt generell einschleichend.
Die genannten tri- und tetrazyklischen
Antidepressiva (=
Mittel gegen Depressionen) können
auch im Sinne einer Spannungskop
fschmerz -Prop
hylaxe (= Vor
beugung)
eingesetzt werden. Oftmals behalten wir diese Medikation nach einer
erfolgreichen Beha
ndlung für weitere 2-3 Monate bei, allerdings in reduzierter Dosierung
(z.B. nur abends).
In hartnäckigen Fällen hat sich die zusätzliche, niedrig bis mittel dosierte
Verabreichung eines
Neuroleptikum
s
(= Mittel zur
Beeinflussung der Psyche) bewährt.
Wir bevorzugen Levomepromazin (Neurocil®) in der Dosierung 3x3-15 Trpf.
Levomepromazin wirkt psychomotorisch
(= hinsichtlich Psyche und
Bewegungsabläufe) stark dämpfend, so daß es in Kombination besonders mit dem ähnlich
wirkenden Maprotilin vorsichtig dosiert werden muß.
Die Wirksamkeit von Serotonin-Antagonisten
(= Mittel, die dem
Gewebshormon Serotonin entgegenwirken)
wie Methysergid (Deseril®), Lisurid (Cuvalit®) und Pizotifen Sandomigran®,
Mosegor®) ist bei Kopfschmerzen vom Spannun
gstyp durch Studien bisher nicht belegt. Auch die Wirksamkeit der
Beta-Blocker (=
blutdrucksenkende Mittel, aber auch nachgewiesen hilfreich bei
M
igräne) wie z.B. Propanolol (z.B. Dociton®) und Metoprolol (z.B. Beloc®) ist bei
Kopfsch
merzen
vom Spannun
gstyp wissenschaftlich bisher nicht eindeutig nachgewiesen, sie können
dennoch versucht werden.
Besonders bei Vorliegen einer "migränoiden" Begleitsymptomatik
(= z.B. Übelkeit, Licht- und
Lärmempfindlichkeit) ist als letzter
Therapieversuch auch der Einsatz von Triptane denkbar.
Zur
Schmerztherapie der
Occipitalneuralgie
eignen sich Antikonvulsiva
(= Mittel gegen die Fallsucht)
so z.B. Carbamazepin (z.B. Tegretal®). Oft besser wirksam sind aus dieser Gruppe
Gabapentin (Neurontin®) oder Pregabalin (Lyrica®), aber auch erheblich teurer.
Das Mittel der Wahl bei Hemicrania continua
(= anhaltende
Halbseitenkopfschmerz) und bei
der paroxysmalen
Hemikranie ist
Indometacin (z.B. Indometacin-hexal®).
Therapeutische Lokalanästhesie bei
chronische
n, primäre
n Kopfschmerzen:
Eine Schmerztherapie mit
langwirkenden Lokalanästhetika
(=
örtliche Betäubungsmittel)
Bupivacain, Etidocain) hat sich in der Beha
ndlung
pri
märer
(= nicht auf eine
sonstige Krankheit zurückzuführende) Kopfsch
merzen
sowohl bei akuten als auch bei subakuten oder chronische
n Schmerzzuständen bei uns bewährt (Leser
et Hefermann, Schmerzkl inik Bad Mergen
theim 1990).
Dabei werden (stationär 1 bis 2 mal täglich) alle Ner
ven, die an der sensiblen Versorgung des
Schmerzbereichs beteiligt sind, an ihrem Austrittspunkt mit 1-2 ml blockiert.
Zusätzlich werden, falls betroffen, die Aurikulotemporalis- Region
(= Schläfengegend)
und korrespondierende Triggerpunkte
(= Schmerzreizpunkte)
infiltriert. Von besonderer Bedeutung sind die myofaszialen
(= von Mus
keln und deren Gewebsumhüllung ausgehende)
Triggerpunkte.
Bei hinterkopfbetonten Schmerzbildern, auch mit mehr oder weniger deutlicher
Beteiligung der Halswir
belsäule, führen wir in gleicher Sitzung
tiefe Infiltrationen der angrenzenden Mus
kulatur mit insgesamt etwa 4- 6 ml
durch.
Bei chronische
n, halbseitigen
Kopfsch
merzen
vom Spannun
gstyp ist auch die wiederholte Betäubung des Ganglion stellatum
(= vegetative Schaltstelle
im seitlichen Halsbereich) mit einem
langwirkenden
Lokalanästhetikum
hilfreich. Im chronische
n Stadium, aber auch bei
episodenhaften (= von Zeit zu Zeit auftretenden) Kopfsch
merzen
vom Spannun
gstyp, wenn die schmerzfreien Intervalle nicht zu lange anhalten (z.B.
nicht mehr als 1 Woche), ist diese
Schmerztherapie um
so wirkungsvoller, je häufiger sie angewendet wird. Als optimal erwiesen sich
zwei Sitzungen pro Tag über einen Zeitraum von ca. 10-20 Tagen, was in der Regel
allerdings organisatorisch meist nur stationär möglich ist. Nicht selten kann
eine anhaltende deutliche Schmerzlinderung, oft auch Schmerzfreiheit, manchmal
sogar schon nach wenigen Sitzungen erreicht werden. Unter einer solchen
intensiven therapeutischen Lokalanästhesie kann in der Regel auch ein
Schmerzmittelentzug erfolgreich durchgeführt werden, sofern das Abusus-
(= Mißbrauch-)
oder Abhängigkeitsverhalten tatsächlich auf eine Schmerzbelastung und nicht etwa
auf ein psychisches Suchtpotential zurückzuführen ist.
Nichtmedikamentöse Beha
ndlung chronische
r, primäre
r Kopfsch
merzen:
Wie bei der Migränebehandlung werden die folgenden Methoden vorwiegend ergänzend
eingesetzt, teilweise sind sie aber auch unverzichtbare Bestandteile der
Gesamttherapie.
Bei der Punkteauswahl zur
Schmerzakupunktur
dominiert das Lenkergefäß, ein Meridian, der hinter dem Af
ter beginnt und sich über die Spitze der Dornfortsätze der Wir
belsäule, über die Schädelmitte bis zur
Oberlippe erstreckt. Empfohlen werden hauptsächlich die Punkte 19, 23 und 25;
zusätzlich Punkte des Gallenblasen-Meridians im Kopfbereich, so z.B. 3 und 20 (Kossmann
et al. 1986).
Auch die transkutane Nervenstimulation mittels Niederfrequenzgenerator über
Klebeelektroden (TENS) hat sich bei
Kopfsch
merzen
bewährt. Mit dieser Methode lassen sich häufig Schmerzm
ittel einsparen, oftmals kann auf
zusätzliche Schmerzmitteleinnahme sogar verzichtet werden.
Wenn Kopfsch
merzen
mit Störungen im Bereich der Halswir
belsäule einhergehen, ist in der Regel
die Verordnung von physikalischen Therapiemaßnahmen (Fango, Wärmeapplikationen
usw.) sowie
Krankengymnastik
hilfreich. Besonders zu empfehlen sind Autoelongationsübungen. Manchmal kann
auch durch eine manuelle Lymphdrainage im Kop
f-/Halsbereich eine deutliche
Verbesserung erzielt werden.
Bewährt hat sich auch die wiederholte oberflächliche Kältebehandlung im Nack
en-/HWS-Bereich, evtl. auch unter
Einschluß der angrenzenden Schultermuskulatur. Im Rahmen einer Kurmaßnahme ist
bei primäre n
Kopfsch
merzen
auch eine Hydrotherapie in Form von Wechselbädern und / oder Kneippschen Güssen
empfehlenswert. Auch
Biofeedback (=
Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale)
kann hilfreich sein.
Auch bei primäre
n Kopfsch
merzen
hat sich die Vermittlung von Entspannungstechniken (Progressive Relaxation nach
Jacobson, Autogenes Training) sehr bewährt. Bei
streß
induzierten
Kopfsch
merzen
ist ein
Streßbewältigungstraining
hilfreich.
5. Primäre Kombinationskopfschmerzen:
Die einzig mögliche Kombination primäre r Kopfsch merzen sind Migräne und Kopfsch merzen vom Spannungstyp, wobei die einzelnen Komponenten entweder gemeinsam oder zeitlich voneinander getrennt auftreten können. Da die Einzelsymptome fließend ineinander übergehen können, lassen sich nicht in jedem Falle die Einzelkomponenten trennen. Häufig kommen die Patienten mit der Hilfsdiagnose "migränoide Kephalgie" (= migräneartige Kopfschmerzen).
Thera pie bei diesem Kombinationskopfschmerz:
Als Mittel der Wahl gilt die parallele Medikation mit einem Beta-Blocker (= eigentlich ein Blutdruckmittel, wirkt aber auch gegen M igräne) und einem Antidepressivum (= Mittel gegen Depression, aber auch bei Schmerzen hilfreich). Wir bevorzugen Propanolol (z.B. Dociton ®), 160-240 mg/d und Maprotilin (z.B. Ludiomil ®), bis 150 mg/d. Für die akute und subakute Beha ndlung hat sich die therapeutische Lokalanästhesie (= Behan dlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) im Kopfbereich bewährt. Je nach aktueller Schmerzsituation können auch Schmerzm ittel verabreicht werden.
Grundsätzlich sind auch bei diesem Kombinationskopfschmerz nichtmedikamentöse Therapieverfahren sinnvoll, so z.B. die transkutane (= über die Haut verabreichte) elektrische Nervenstimulation mittels Klebeelektroden und Biofeedback (= Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale), insbesondere aber auch psychologische Interventionen (z.B. Erlernen von Entspannungstechniken, Schmerzbewältigungstraining evtl. auch Streßbewältigungstraining).
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Fußsohlenschmerz
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Golferellenbogen,
Gliedschmerzen,
Gliederschmerzen
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H
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Halbseitenkopfschmerzen,
Halbseitenschmerzen,
Handgelenkarthrose,
Handgelenksschmerz,
Handschmerz,
Halswirbelschmerzen,
Handgelenkschmerzen,
Harnblasenschmerzen,
Herpes-zoster-Neuralgie,
Hinterkopfschmerzen,
Hodenschmerzen,
Hüftschmerz (www.xn--hftschmerz-9db.com),
Hüftgelenkschmerzen,
Hüftschmerzen,
Hüftgelenkschmerz
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HWS-Schmerzen
I
Iliosakralgelenk,
Impingement,
Insertionstendinopathie,
Infektiöse
Gelenkentzündung,
Interkostal-Neuralgie,
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Ischiasneuralgie,
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Kieferschmerzen,
Kniegelenkschmerzen,
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Knorpelerweichung,
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Kompressionsneuropathie,
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S
Sacroiliitis,
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Schläfenschmerz,
Schmerzbehandlungen,
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Abdomen,
Schmerzen im Arm,
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der Bauchhöhle,
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Berührung,
Schmerzen bei
Entzündung,
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Berührungen,
Schmerzen bei Bewegung,
Schmerzen bei
Bewegungen, chronische
Schmerzen in der Blase,
Schmerzen im
Brustbein,
Schmerzen im
Brustkorb,
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der Brust,
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BWS-Region),
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chronische
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Fersen,
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Füße,
Schmerzen in der Flanke
(Flanken), Schmerzen
im Fuß,
Schmerzen in der
Fußsohle,
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Schmerzen im Gelenk,
Schmerzen im Genick,
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Schmerzen in den
Gliedern, Schmerzen
in den Gliedmaßen, Schmerzen
in der Harnblase,
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Schmerzen im
Hüftgelenk,
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HWS-Region),
Schmerzen im Kiefer,
Schmerzen im Kiefergelenk,
Schmerzen im
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im Kopf (2), Schmerzen
im Knie,
Schmerzen im Kreuz, Schmerzen
im Kreuzbein, Schmerzen
im Leib (Bereich des
Leibes),
Schmerzen in der
Leiste (Leisten), Schmerzen der LWS (LWS-Bereich,
LWS-Region),
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Schmerzen im Oberbauch,
Schmerzen im
Oberkiefer, Schmerzen bei
Osteoporose, Schmerzen im Rachen,
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Rücken (www.ruecken-info.com),
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Schulter,
Schmerzen in der
Scheide,
Schmerzen im Schultergelenk, Schmerzen am
Steiß,
Schmerzen im Thorax, Schmerzen im
Steißbein, chronische
Schmerzen im
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Schmerzen im
Unterarm,
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Sehnenschmerz,
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T
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W
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Z
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